Hildegard E. Keller

Foto: Ayse Yavas

«Ich gehöre zum Stamm der Storyteller und erzählen von und mit packenden Persönlichkeiten: mit Hildegard von Bingen und Etty Hillesum in DER OZEAN IM FINGERHUT, mit Hannah Arendt im Roman WAS WIR SCHEINEN, mit Alfonsina Storni in Performances und Büchern, mit anderen Gefährtinnen in den Dokumentarfilmen WHATEVER COMES NEXT und BRUNNGASSE 8.»

Aktuell 

Interview für Literatur Radio Hörbahn (Uwe Kullnick) mit Lesung aus dem Roman WAS WIR SCHEINEN (Kap. 19).

ZOOM Talk: Alfonsina Storni (auf Spanisch, mit Laura S. Carugati, UNSAM Buenos Aires). Videoaufzeichnung.

FRAU MINNE UND ALL DIE ANDEREN. Gastbeitrag im Altstadtkurier.

SRF Radiofeature WAS WIR SIND UND SCHEINEN zum Roman mit Hannah Arendt. Beitrag im Radiomagazin.

SRF Gesichter & Geschichten. Video.

SRF Kulturplatz. Video.

Werdegang

Geboren in St. Gallen, aufgewachsen in einer siebenköpfigen Familie in Wil SG und im Toggenburg. Matura 1980 in Wattwil. Ein halbes Jahr in Rom, dann ein halbes Jahr als angelernte Ergotherapeutin in der Ostschweizer Psychiatrie. Studienbeginn in Basel (Germanistik, Hispanistik und Soziologie). Ein Jahr lang in Sal Salvador. Seit 1984 wohnhaft in Zürich, wo ich als Werkstudentin (Germanistik, Hispanistik) Spanische für Erwachsene unterrichte. Freude finde ich in Druckgrafik, dem Figurentheater und ersten Reisen in die Tiefe der Geschichte. Schlag auf Schlag geht’s weiter. Promotion 1992. Diplom für das Höhere Lehramt (Deutsch und Spanisch) 1993. Acht Jahre lang Deutsch- und Spanischlehrerin an Gymnasien in Stadt und Kanton Zürich mit Leidenschaft, sogar als Praktikumsleiterin für Lehramtskandidierende. Habilitation 2000. Nach Gastprofessuren (Amsterdam, München) die erste Professur: 2001-2007 Assistenzprofessorin für Ältere deutsche Literatur an der Universität Zürich. 2008 Berufung als Full Professor ans Department of Germanic Studies an der Indiana University in Bloomington (IN, USA). Dort kamen Alfonsina Storni, Etty Hillesum, Annemarie Mahler und Hannah Arendt des Weges. Viel Freiheit für neue Abenteuer: Gründung der Bloomlight Productions für WHATEVER COMES NEXT. Lehrprojekte: Hörspiele mit den Studierenden und eine Ausstellung. Die Recherchen für den Roman Was wir scheinen beginnen.

Die Gastprofessur in Buenos Aires brachte die Wende. Ende 2016 wurde ich eingeladen, eine multimediale Inszenierung mit den Studierenden der UNSAM zu erarbeiten und aufzuführen. Meine Begeisterung führte dazu, dass ich 2017 meine Professur in den USA kündigte und fortan auf eine freie Existenz als auctor, Urheber von materiellen und immateriellen Kreationen, setzen wollte. Ich packte meine in den USA gegründete Bloomlight Productions ein und kehrte nach Zürich zurück. Seither bin ich freie Autorin, Geschäftsführerin der Bloomlight Productions GmbH und lehre multimediales Storytelling an der Universität Zürich (zurichstories.org). 2019 Gründung der Edition Maulhelden. Neu entdeckte Freuden: die Schreibkurse und thematischen Stadtführungen, unter anderem Kriminelles Zürich oder Gesundes Zürich. Im Lockdown 2020 reise ich in meinen vier Wänden imaginär ins Toggenburg zurück. Wenn mir eine Zeitung die Chance gibt, denke ich über rote Fäden nach.

Wegmarken

Jede Veröffentlichung ist eine Wegmarke, weil man etwas in die Welt bringt, das dann ein Eigenleben führen kann. Viele meiner wissenschaftlichen Publikationen waren sogar an Ausstellungen in Museen der Schweiz, Deutschland und den USA angebunden,  aber ich vermute heute, dass ich als Stadtführerin sehr viel grössere und vor allem breitere Kreise von Menschen erreichen und sinnhaft ansprechen kann. Mein Hörsaal ist heute die Stadt Zürich.

Meine wissenschaftlichen Veröffentlichungen von Gewicht: die fünfbändige Werkausgabe von Jakob Ruf mit Biografie, Studienband und zwei CDs, Jakob Ruf. Leben, Werk und Studien, erarbeitet zwischen 2004 und 2008 im SNF-Projekt Jakob Rufs Theater- und Heilkunst. Zu Schweizer Ärzten wie Paracelsus, Jakob Ruf und Konrad Gesner gibt es  Artikel und Essays. Das Zürcher Gesundheitswesen des 16. Jahrhunderts, die Psychiatriegeschichte mit der Frühgeschichte des Burghölzli, die Auseinandersetzung mit dem Tod zwischen Mittelalter und Moderne und Medical Humanities interessieren mich, auch mit Blick auf Selbstreflexives Schreiben für Ärztinnen und Ärzte an.

Von meinem Weg in die Welt der Künste kann ich nur im Plural reden, denn er begann mit Zeichnungen, Druckgrafik, Schauspiel und Figurentheater. Das war lange vor meiner Entscheidung für die Wissenschaft. Einen Einblick in die Frühzeit gibt dieser Essay aus dem Lockdown. Bis zu meiner Entscheidung für die freie Existenz entfaltete sich meine künstlerische Tätigkeit im Schatten meiner wissenschaftlichen Karriere und meines Engagements im Literaturbetrieb. Die Meilenstein im Rückblick: Das Hörspiel «Die Stunde des Hundes» über einen Konstanzer Mönch im späten Mittelalter (2009 für den Deutschen Hörbuchpreis 2009 nominiert, 2010 mit dem Theophrastus-Preis 2010 ausgezeichnet), mein Dokumentarfilm «Whatever Comes Next» (2014), die zweisprachige Performance «Un viaje con Alfonsina» mit Originalkomposition für zehn Musiker, uraufgeführt in Bloomington IN/USA, mein Roman «Was wir scheinen» (Eichborn, Hardcover 2021; Taschenbuch August 2022) und das dazugehörende Radiofeature Was wir sind und scheinen (SRF, Ursendung: 18. Februar 2022) Artikel Radiomagazin, online hören.

Ein Meilenstein ist auch die erste deutsche Werkausgabe von Alfonsina Storni, die ich übersetzt, herausgegeben und gestaltet habe. Seit Ende Oktober 2022 ist sie abgeschlossen (Edition Maulhelden). Den fünften Band Ultrafantasía habe ich zweisprachig angelegt und mit sieben Illustrationen versehen. Noch immer freue ich mich über das Radiofeature («Auf alles gefasst sein», 58 Minuten, SRF, 2010).

Ich wirkte auch szenografisch an Ausstellungen mit: zur Geschichte des Buchs (Lilly Library, Bloomington), zur Mystik in Frauenklöstern (Bundesausstellungshalle Bonn) sowie in der Ausstellung Sehnsucht nach dem Absoluten (Museum Rietberg, Zürich) mit und produzierte die Trilogie des Zeitlosen (2011). Die drei Bücher enthalten Hörspiele über acht Protagonisten zwischen der Antike und dem Zweiten Weltkrieg, aus Ost und West, vom chinesischen Philosophen Zhuangzi über Hildegard von Bingen und Meister Eckhart bis zu Etty Hillesum. Hildegard Keller gab auch einen Aufsatzband von Alois Haas heraus (Friedrich Nietzsches Auseinandersetzung mit der Mystik heraus.

Zusammen arbeiten konnte ich mit Mona Petri, Nikola Weisse, Chantal Le Moign, Krishan Krone, Jaap Achterberg, Hanspeter Müller-Drossaart, Klaus-Henner Russius, Sandra Suter, Martina Hug, Anderscht, Andrea Kind, Hilliard Ensemble, Mahmoud Turkmani, Marcus Kluibenschädl, Peter Zimmermann und vielen anderen.