Master-Arbeiten

[Hans Staden und Ulrich Schmidl]

Im Fokus der Masterarbeit stehen die Schriften der beiden Landsknechte Hans Staden und Ulrich Schmidl. Die beiden Deutschen bereisten im Dienste der Konquistadoren im 16. Jahrhundert Südamerika und hatten dort Kontakt mit der indigenen Bevölkerung. Ihre Erfahrungen zu See und in Südamerika haben beide nach ihrer Rückkehr niedergeschrieben. Wie konzeptualisieren ihre Texte „das Eigene“ und „das Fremde“? Welchen Einfluss haben wichtige Gattungen in der zeitgenössische Literatur (Erbauungsliteratur; Hagiografie, Reisebericht) in den beiden Texten?

Beginn: Juli 2016

Tell im Bergell

Stummen Figuren eine Stimme geben: Silvia Andreas Erzählung Wilhelm Tell (1891)

Masterarbeit. Betreut von Prof. Dr. Hildegard E. Keller.

Ausgezeichnet mit einem Semesterpreis 2015 durch den Rektor der Universität.

Die Bergeller Autorin Silvia Andrea (mit bürgerlichem Namen Johanna Garbald-Gredig, 1840-1935) wagte sich, anlässlich des 600. Geburtstags der Eidgenossenschaft, 1891 an eine Aufbereitung der Geschichte des Schweizerischen Freiheitskämpfers. In der Abgeschiedenheit des Tals entstand eine mutige Neuinterpretation. Zeitgenossen war Andrea nicht unbekannt, doch um Anerkennung als Poetin kämpfte sie vergebens. Auch ihr Tell fand keine wohlwollende Aufnahme und geriet im grossen Schatten von Schillers Tell und als Werk aus weiblicher Feder in Vergessenheit.

In der historischen Erzählung Wilhelm Tell trägt Andrea dem Titelhelden zwar Rechnung, erweitert das Personal aber um etliche Frauenfiguren, die sich durch politischen Scharfsinn und eigenständiges Handeln auszeichnen. Allen voran die österreichische Königin Agnes, die Eidgenossinnen Irmgard Tell, Margarit und Maria Stauffacher und als Vertreterin des reformierten Zürichs die Äbtissin des Fraumünsters. Diese Frauen sind Stimmen für jene, die aus der Geschichtsschreibung gefallen sind – Andrea nennt sie die „Namenlosen“.

Die Masterarbeit wird durch zwei Fragen gliedert: „Wie kam Tell ins Bergell? Was geschah mit Tell im Bergell?“ In der ersten Frage verbirgt sich die Kontextualisierung von Andreas Tell von der ersten Verschriftlichung des Tellstoffs bis zu Friedrich Schillers Drama Wilhelm Tell (Uraufführung 1804). Eine Analyse literarischer Erzählmuster der Zeit, des Modus und der Stimme macht deutlich, welches Konstrukt „historischer Fiktionalität“ dem Stoff zugrunde liegt. In der zweiten Frage verbirgt sich eine erzähltechnische, mythenkritische und kulturwissenschaftliche Analyse. Diese legt offen, dass Andrea entscheidende Positionen, die an der Wirkung des „Mythos“ Tell beteiligt sind, durch weibliche Figuren besetzt. Anhand der Strategie dieses weiblichen Narrativs lässt sich eine Weiterentwicklung der Figur Wilhelm Tell erkennen. Schliesslich wird sichtbar, dass diese Protagonistinnen Trägerinnen mythologischer Alterität und kollektiver Erinnerung sind.

 

Inhalt

KAPITEL 1: Einleitung (Heranleitendes / Fragestellung / Methoden)
KAPITEL 2: Tells Tempi (Das Weisse Buch von Sarnen / Das Bundeslied / Das Urner Tellenspiel / Der Wilhelm Tell von Jakob Ruf / Der Wilhelm Tell von Friedrich Schiller)
KAPITEL 3: Silvia Andrea: Wilhelm Tell. Historische Erzählung („Ich las Geschichte“ / Tells Weg / Die Fahrt nach Zürich / Die Zaubertrankepisode / Die Spinnstube der Margarit Stauffacher / Tells Klage / Irmgards Forderung)
KAPITEL 4: Einheit, Schicksal und Vergangenheit (Bruderschaft, Naturrecht oder Gottesplan und Idealisierung: mythentheoretische Funktionen in der Tellgenealogie / Die Rolle Zürichs, Freiheit vor Familie und die Spinnstube: weibliche Funktionsträger bei Silvia Andrea)
KAPITEL 5: Schluss und Ausblick
Bibliographie

 

Zeitraum, Kontakt

Die Arbeit wurde im Januar 2015 begonnen, im November 2015 abgegeben und im Januar 2016 angenommen. Luzia Rageth studierte Germanistik (HF) und Kunstgeschichte (NF). Kontakt: luzia.rageth(at)uzh.ch

erschynungen / wunderen vnd zeichen. Zur Funktion der Geister in Ludwig Lavaters „Gespensterbuch“ (1569)

Masterarbeit. Betreut von Prof. Dr. Hildegard E. Keller

Es kann niemand ernstlich leugnen, dass es Gespenster gibt, so Ludwig Lavater in seiner knapp 130 Folioseiten starken Abhandlung Von Gespänsten / vnghüren / fälē / vnd anderen wunderbaren dingen (1569), im Gegenteil: Viele gottesfürchtige, fromme, ehrliche Frauen und Männer bezeugen, dass sie nachts, ja manchmal sogar am helllichten Tag Gespenster sehen oder hören. Viele erzählen, dass ihnen jemand beim Schlafen die Decke wegzieht und sie anschliessend jemanden in der Kammer auf- und abgehen hören. Manchmal werden feurige Reiter in Gestalt eines bereits verstorbenen Menschen gesehen. Geister erscheinen niemals grundlos, sondern oft vor grossen Änderungen, wenn jemand stirbt oder ein blutiger Krieg bevorsteht.

Ludwig Lavaters Gespenstergeschichten faszinieren noch heute; nicht nur, weil die Frage nach dem Verbleib der Seele nach dem Tod wohl zum grössten Mysterium der Menschheit gehört, sondern auch, weil sie als einzigartige historische Quelle bezeugen, in welchem Umfeld der Theologe in Zürich gelebt und geschrieben hat. Neben den zum Teil blutigen Auseinandersetzungen um die korrekte Auslegung der Heiligen Schrift zeigte sich ab Mitte des 16. Jahrhunderts in Mitteleuropa eine merkliche Klimaverschlechterung, mit der eine Hungersnot einherging. In einer Zeit, in der sowohl politische und theologische Auseinandersetzungen als auch Krankheiten und Hungersnot jeden unvorbereitet aus dem Leben reissen konnten, war die intensive Auseinandersetzung mit dem Jenseits und dem Seelenheil eine notwendige Folgerung. Als Protestant war es dem Pfarrer und Seelsorger Lavater ein Anliegen, den Glauben an das Fegefeuer zu widerlegen. Der Zürcher Gelehrte ist aber keinesfalls als früher Kritiker eines abergläubischen Gespensterglaubens zu verstehen, denn nichts war für ihn fataler, als wenn jemand nicht an die Existenz von Geistern glaubte. Gemäss Lavater handelte es sich bei Geistererscheinungen einfach nicht um die Seelen von Verstorbenen, sondern um böse oder gute Engel, geschickt von Gott, um die Menschen zu warnen und zu versuchen.

Die Masterarbeit diskutiert die These, dass die von der Forschung vertretene protestantische Umfunktioniertung der Gespenster nicht als Folge der Abschaffung des Fegefeuers und der damit verbundenen Polemik gegen die römisch-katholische Kirche zu verstehen ist. Ebensowenig kann eine rationale „Aberglaubenskritik“ Lavaters als Erklärungsmodell dienen. Lavaters Interpretation von Gespenstererscheinungen ist vielmehr Symptom eines zeitgenössischen, kommunikativen Diskurses von Theologen und Gelehrten, die in sämtlichen Phänomenen, die wider den gemeinden lauff der natur beschähend (fol. 37r), den Fingerzeit Gottes zu erkennen glaubten. Gespenster haben wie andere Prodigien eine komplexe Zeichenfunktion, mit denen sich Gott angeblich der christlichen Gemeinde mitteilen wollte.

 

Inhalt

Einleitung
KAPITEL 1: Das „Gespensterbuch im Kontext seiner Zeit“ / Ludwig Lavater (1527-1586) – Leben und Werk / Das Ende naht: Wunderzeichen in der Limmatstadt
KAPITEL 2: Quellenkritik / Aufbereitung und Druck / Widmung / Motivation / Aufbau und Argumentationsstruktur / Sprache und Stil / Zur Gattungsfrage / Käuferschaft / Quellen / Überlieferungsgeschichte
KAPITEL 3: Historische Semantik / natürlich und wunderbar sachen / aberglöubig lüt und warer glaube / Terminologie der Geisterwesen
KAPITEL 4: Zur Funktion der Geister in Ludwig Lavaters „Gespensterbuch“ / Kleine Semiotik der Wunderzeichen / Gesprächige Geister: Seelen aus dem Fegefeuer / Funktion der guten und bösen Geister bei Lavater / dz wir die augen vfthuegind vnd luegind – Von der Predigt zur Eigenverantwortung
SCHLUSSWORT

BIBLIOGRAPHIE

 

Zeitraum, Kontakt

Die Arbeit wurde im Januar 2015 begonnen, im Juni 2015 abgegeben und im Juli 2016 angenommen. Eveline Szarka studierte Germanistik (HF) und Mediävistik (HF). Kontakt: eveline.szarka(at)uzh.ch

Porträt

Prof. Dr. Hildegard Keller ist Autorin, Übersetzerin, Regisseurin und Performerin. Germanistin und Hispanistin.

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