Der Ozean im Fingerhut

Ein Dialog von vier Frauenstimmen zwischen 1140 und 1943 über das Fliessen und Verströmen, über die grossen kosmologischen Bilder für das Verhältnis zwischen Schöpfer und Geschöpf, aber auch für die Kreativität des Menschen.

Trilogie des Zeitlosen Band 3

Die Trilogie des Zeitlosen

Acht Menschen begegnen einander ausserhalb von Zeit und Raum. In ihren realen Leben wäre das nie möglich gewesen. Die Trilogie des Zeitlosen macht mit wichtigen Stimmen aus der Spiritualitäts- und Philosophiegeschichte bekannt.

Drei Männer und fünf Frauen sind die Hauptfiguren der drei Bände. Sie lebten als christliche Mönche, Nonnen oder Beginen im Mittelalter, als Philosoph in der chinesischen Antike oder als junge Juristin in Amsterdam unter Nazi-Okkupation.

„Der Ozean im Fingerhut“ besteht aus einem Sachbuch von 224 Seiten. In je einem biografischen Kapitel werden die vier Hauptfiguren und ihr Leben und Werk vorgestellt. Weitere Kapitel sind dem Konzept der Seele, der Kosmologie und der Metaphorik des Fliessens und des Wassers sowie der Erotik zwischen Gott und Mensch gewidmet. 32 Farbseiten zeigen mittelalterliche Handschriften (darunter zahlreiche Bilder aus Hildegards von Bingen Visionswerken) sowie Fotos von Etty Hillesum und ihrem Umfeld.

Das in dem Buch enthaltene Hörspiel „Der Ozean im Fingerhut“ bringt die vier Frauen in ein Gespräch, das sich ausserhalb der Zeit vollzieht. Es macht die Hörerinnen und Hörer mit dem Leben und den Werken der vier Frauen vertraut. Grundlage dafür sind die Visionswerke und Briefe der Hildegard von Bingen, das „Fliessende Licht der Gottheit“ der Mechthild von Magdeburg, die Visionen und Briefe von Hadewijch sowie die Tagebücher und Briefe von Etty Hillesum aus den Jahren 1941-1943. Im Hörspiel sind neben den Stimmen von Mona Petri, Chantal Le Moign, Nikola Weisse und Hildegard Elisabeth Keller auch Oud-Improvisationen von Mahmoud Turkmani zu hören.

Manfred Papst von der NZZaS findet die Trilogie des Zeitlosen «besonders geglückt» und sieht in ihr «eine so originelle wie liebevoll gestaltete Kombination von Hör-, Lese- und Bilderbuch, in der es in erster Linie um die Mystik des deutschen Mittelalters geht, die aber auch weite Spannungsbögen durch Raum und Zeit schlägt.» Mehr in der NZZ am Sonntag, 2. Oktober 2011

Die drei Bände der Trilogie des Zeitlosen, so die Rezensentin Marita Fuchs, bieten nicht nur «neue Interpretationsspielräume und Hörgenuss, sondern auch gut recherchierte Informationen zu den Protagonisten und je einen sehr schönen Farbbildteil». Mehr im Unimagazin, Februar 2012

Simon Peng-Keller meint in der SKZ, die Trilogie des Zeitlosen breche sei «ein spielerisches Gesamtkunstwerk im Miniformat, doch ebenso ein Stück ernster Erinnerungsarbeit». Das Genre sei nicht einfach zu beschreiben, denn sie würden «das Tabu der sauberen Trennung zwischen wissenschaftlicher Interpretation und persönlicher Aktualisierung» brechen: «Ihre reich bebilderten Hör-, Lese- und Schaubücher sind beides zugleich: kundig recherchierte Studien zu ausgewählten Themen und Personen der abendländischen Mystikgeschichte, aber auch persönliche Meditationen über die ‚Sache‘. Die fiktiven Dialoge handeln von den grossen Themen christlicher Mystik: von den Grenzen menschlichen Wissens, der überfliessenden Lebenskraft der Liebe, vom Umgang mit dem Leiden und vom Geheimnis, von dem die ‚ewige Weisheit‘ kündet.» Mehr in der SKZ

Der Ozean im Fingerhut gehe „unter die Haut“, meint eine andere Rezensentin: „sicher auch ein Verdienst der Sprecherinnen und des Musikers, der mit seinem meditativen Spiel Zwischenräume zum Nachdenken schafft“. Mehr in Schritte ins Offene.

Gotthard Fuchs sieht im Der Ozean im Fingerhut «ein Jahrtausendgespräch von vier Frauen, die dem Sinn des Ganzen nachspüren». Die Trilogie sei «eine seltene Verknüpfung von wissenschaftlicher Gründlichkeit, spiritueller Tiefe und künstlerischer Gestaltungsfreude in Text und Musik.» Mehr in Christ in der Gegenwart, 11. Dezember 2011

Reinhard Kirste würdigt die drei Bände der Trilogie des Zeitlosen als „Gesamtkunstwerk» und macht sie zum „Buch des Monats Mai“.

Für Helmut Dworschak (Landbote) ist die Trilogie ein «Glücksfall». Sie sprenge «die Grenzen der akademischen Fächer». Der Ozean im Fingerhut bringe vier «Seelenforscherinnen» ins Gespräch miteinander, unter ihnen die Jüdin Etty Hillesum, deren Tagebücher noch immer nicht vollständig auf Deutsch veröffentlicht sind. Mehr in Der Landbote, 13. September 2012

Am 17. September 2014 hiess es in der Tagespost: „Der Ozean im Fingerhut ist ein Bild, das an die Erfahrung des Kirchenvaters Augustinus anknüpft, der ein Kind beobachtet, das mit einem Löffel das Meer auszuschöpfen versucht. Das Gespräch zwischen Hildegard, Mechthild, Hadewijch und Etty zeigt, wie tief man bei diesem Versuch schöpfen und wie sehr man dabei erfüllt werden kann.“

Trilogie des Zeitlosen: Sachbuch und Hörspiel sind komplementär: Das eine ist ein Lese- und Bilderbuch, das andere lässt über das Ohr eine innere Welt entstehen. Die Trilogie erscheint im Kontext der Ausstellung „Mystik: Die Sehnsucht nach dem Absoluten“ im Museum Rietberg Zürich (23. September 2011 – 15. Januar 2012).

Hörspiel auf zwei Audio-CDs (140 Minuten) mit Sachbuch

Von Hildegard Elisabeth Keller. Mit Beiträgen von Daniel Hell und Jeffrey F. Hamburger

Sprecherinnen: Nikola Weisse (Hildegard von Bingen), Chantal Le Moign (Hadewijch), Hildegard Elisabeth Keller (Mechthild von Magdeburg), Mona Petri (Etty Hillesum)
Mit Musik von Mahmoud Turkmani (Oud)
Gestaltung: Linus Hunkeler

1. Auflage 2011
224 Seiten, Format 14 x 12 cm, gebunden
32 farbige Abbildungen
CHF 68.00 / EUR 62.00 (D)
ISBN 978-3-7281-3437-0

Zürich: vdf Hochschulverlag AG an der ETH Zürich 2011

Porträt

Prof. Dr. Hildegard Keller ist Autorin, Übersetzerin, Regisseurin und Performerin. Germanistin und Hispanistin.

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