Frühling 2017

Frühling 2015

Deutsche Südamerikafahrer im 16. Jahrhundert

Hans Staden fuhr zweimal nach Südamerika. Wir tun es ebenfalls. Das zweite Blockseminar zu den ersten deutschsprachigen Berichten aus der Neuen Welt führt nach Argentinien, Brasilien und Venezuela.

Zuerst steuern wir die Mündung des Rio de la Plata an und treffen auf den aus Bayern stammenden Landsknecht Ulrich Schmidl. Mit einer spanischen Expedition kam er nach Südamerika, wurde zu den Mitbegründern der Stadt Buenos Aires, reiste ins Innere des Kontinents, bis an den Fuss der Anden, kehrte schliesslich in die Heimat zurück und schrieb seine Wahrhafftige Historien einer wunderbaren Schiffahrt (erst nach seinem Tod gedruckt).

Dann reisen wir mit Hans Staden, einem Berufskollegen von Staden, zu den «Menschfresserleuthen in der Newenwelt America». Auch er kam mit den Spaniern an die südamerikanische Küste, wurde von den als Kannibalen bekannten Tupinambá in Brasilien gefangengenommen, kam lebend wieder nach Europa zurück und liess seinen Reisebericht in Marbach 1557 mit vielen Holzschnitten im Druck erscheinen. Die Tupinambá und ihre Kultur stehen im Zentrum seiner Wahren Historia, und die Holzschnitte prägen die frühe Ikonografie der Indianer. Stadens Historia enthält auch zoologisch relevantes Wissen und zählt heute zu den ersten ethnografischen Dokumenten über Kulturkontakte zwischen Europäern und Indigenen in Südamerika.

Schliesslich stossen wir in Venezuela auf Goldsucher wie Nikolaus Federmann, der einen Reisebericht mit dem Titel Indianische Historia hinterlassen hat, und Philipp von Hutten, der Generalkapitän von Venezuela wurde und eifrig korrespondierte. Er selbst kam nicht mehr lebend nach Europa zurück, doch ein Teil seiner Briefe (später gedruckt unter dem Titel Zeitung aus India).

Das Blockseminar bietet die Chance, Zeugen und Zeugnisse der „ersten Globalisierung“ kennenzulernen, als Europa im 16. Jahrhundert nach der „Federschlange“ (und auch nach dem „Drachen“ China) griff, wie der Lateinamerika-Spezialist Serge Gruzinski die Indianerkulturen Mittel- und Südamerikas nannte. Die erwähnten Texte, Autoren und Schreibkontexte werden uns ebenso beschäftigen wie Fragen der Authentizität, auch im Blick auf den deutschen Buchmarkt, die Brennpunkte der ethnografischen Neugier, die Ikonografie der ‚Wilden‘ in der Frühen Neuzeit in der Druckgrafik sowie filmische Adaptionen aus Lateinamerika und Europa.

Da die Lehrveranstaltung als Blockseminar durchgeführt wird, ist die Voranmeldung aus Planungsgründen obligatorisch. Sie erhalten das Anmeldeformular bei info(at)hildegardkeller.ch. Bitte mailen Sie es zurück bis spätestens 26. Januar 2015.

Die schriftliche Arbeit wird vor dem Beginn von Teil 2 des Blockseminars eingereicht und bildet eine wichtige Grundlage für die anschliessende Arbeit im Plenum. Willkommen sind auch Studierende, die das Modul für das Diplom des Höheren Lehramts benötigen.

Teil 1:
Montag, 17. März 2014, 16.15-19.00 Uhr: Einführung in Thema und Arbeitsweise (KOL G 204)

Teil 2:
Freitag, 29. Mai 2015, 9.00-13 Uhr 14-20 Uhr (SOD, 105)
Samstag, 30. Mai 2015, 9.00-20 Uhr (SOD, 105)
Sonntag, 31. Mai 2015, 9-17 Uhr (SOD, 105)

 

Frühling 2014

Bei den «Menschfresserleuthen in der Newenwelt America»: Hans Stadens Wahre Historia

1492 brachen die ersten Europäer von der iberischen Halbinsel auf und landeten auf amerikanischem Boden. Die illiterate Neue Welt und die Alte Welt, in der damals in deutschsprachigen Städten der Buchdruck rasch an Terrain gewann, prallten erstmals aufeinander. Jahrzehnte später entfaltet sich dieser culture clash mit Auswirkungen beidseits des Atlantiks in seiner ganzen Schärfe. Mittlerweile lagen mehrere europäische Länder im Wettstreit um die Herrschaft auf dem neuen Kontinent, stets mit indigenen Allianzpartnern.
Der deutsche Söldner Hans Staden heuerte auf spanischen und portugiesi-schen Schiffen an. Bei einer Erkundung der südamerikanischen Küste wurde er von den als Kannibalen bekannten Tupinambá in Brasilien gefangengenommen, kam jedoch lebend nach Europa zurück. In Marbach erschien 1557 seine „Historia" im Druck; der Autor stützte sich zur Verbreitung seines illustrierten Erfahrungsberichts auf das neue Medium. Der mit zahlreichen Holzschnitten ausgestattete Druck wurde international zu einem Bestseller. Stadens „Historia" zählt zu den ersten ethnografischen Dokumenten über Kulturkontakte zwischen Europäern und Indigenen in Südamerika, enthält zoologisch relevantes Wissen und wurde in die von Theodor de Bry in Frankfurt herausgegebene Reiseberichtsammlung (Band 3, 1593) aufgenommen.
Im Seminar werden wir uns Stadens Bericht und modernen filmischen Adaptionen aus unterschiedlichen Perspektiven annähern: Stadens Biografie und seine Berufskarriere in fremden Diensten - seine Schreibmotivation und Erfahrungsgrundlage; Fragen der Authentizität autobiografischer Textproduktion und der ethnografischen Neugier; die Ikonografie der ‚Wilden‘ in der Frühen Neuzeit in der Druckgrafik; ein Söldnerbericht aus Bestseller auf dem Buchmarkt; die Bedeutung sozialer Netze für die Buchproduktion; ein frühneuzeitlicher Bericht über ‚Wilde‘ und moderne filmische Adaptionen.
Da die Lehrveranstaltung als Blockseminar durchgeführt wird, ist die Voranmeldung obligatorisch (bis 17. Februar). Sie erhalten das Anmeldeformular bei info@hildegardkeller.ch. Willkommen sind auch Studierende, die das Modul für das Diplom des Höheren Lehramts benötigen. Die schriftliche Arbeit wird vor dem Beginn von Teil 2 des Blockseminars eingereicht und bildet eine wichtige Grundlage für die anschliessende Arbeit im Plenum.

Teil 1:
Montag, 24. Februar 2014, 16.15-19.00 Uhr: Einführung in Thema und Arbeitsweise

Teil 2:
Freitag, 16. Mai 2014, 9.00-13 Uhr 14-20 Uhr
Samstag, 17. Mai 2014, 9.00-13 Uhr 14-20 Uhr
Sonntag, 18. Mai 2014, 10.15-13 Uhr 14-16 Uhr

Die Arbeit «Von Tuppin Jmbas, Pirahãs und Canelas - Semantik und narrative Strukturen in Stadens ‚Warhaftiger Historia' im Vergleich mit zeitgenössischen Erlebnisberichten» von Manuel Bamert wurde durch den Rektor der Universität mit einem Semesterpreis ausgezeichnet.

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