Herbst 2012

GER-E311 Hans Stadens "Wahre Geschichte"

1492 betraten Europäer zum ersten Mal mittelamerikanischen Boden und initiierten damit den Zusammenprall von Alter und Neuer Welt, mit weitreichenden Folgen beidseits des Atlantiks. Die erste Karte mit der Bezeichnung „America" entstand in der Offizin des deutschen Druckers Martin Waldseemüller im Jahr 1507. Es ist ein Papiermodell, das zum Ausschneiden und Zusammenkleben gedacht war.

Fast vierzig Jahre später fiel der deutsche Kanonier Hans Staden, der an einer Erkundung der südamerikanischen Küste teilnahm, in die Hände der brasilianischen Tupinamba, eines als Kannibalen berüchtigten Stammes. Staden überlebte und wurde später berühmt durch seine „wahre Geschichte", die er in Marbach 1557 in Druck gab. Die Lilly Library Bloomington besitzt eines der kostbaren Exemplare des Erstdrucks sowie eins aus der späteren, durch Theodore de Bry illustrierten Auflage.
Das Seminar macht die Studierenden mit dem Text, der Buch- und der Entdeckungsgeschichte bekannt. Ferner werden Filme einbezogen (und natürlich Werner Herzogs Besuch als Patten Lecturer der Indiana University). Das gemeinsame Arbeitsziel ist eine Ausstellung in der Lilly Library gegen Ende des Semesters.

Ger G640: Mittelhochdeutsch mit Hartmanns von Aue "Gregorius"

Dieser Einführungskurs in Literatur und Kultur des Mittelalters wird Sie befähigen, mhd. Texte aus der höfischen Klassik (ca. 1170-1220) zu lesen, verstehen sowohl im Blick auf grammatikalische Strukturen als auch auf literaturwissenschaftliche Kriterien. Ferner werden wir die wichtigsten Instrument für eine linguistische, literarische und kulturhistorische Analyse von mhd. Texten kennen und anwenden lernen.
Unsere Lektüre ist Hartmanns von Aue Legendenroman Gregorius, eine Erzählung rund um den Topos des „guten Sünders".
Der Kurs richtet sich an Graduate Students, die einen fundierten Zugang zum hochmittelalterlichen Deutsch und seiner literarischen Kultur gewinnen wollen. Unterrichtssprache ist Deutsch.

Frühling 2012

Ger G571: Darstellungen des Lebens Christi

Dieses Seminar stösst in einen Themenbereich vor, der so alt ist wie die Bibel selbst: Wie kann die Bibel ausgelegt werden? Darf sie nicht nur mit Hilfe von Sprache ausgelegt werden, sondern auch mit einer visuellen Exegese auf der Theaterbühne? Kann man das Leben Jesu überhaupt schauspielerisch darstellen? Welcher Status kommt einer performativen Repräsentation der Passion Christi zu?
Wir gehen diesen Fragen nach in der deutschsprachigen Literatur und Kultur, beschäftigen uns mit der aufblühenden Kultur des geistlichen Theaters zwischen 1150 und 1500 und fragen nach den Gründen für die Vehemenz, mit der die Reformatoren die mittelalterliche Oster- und Passionsspieltradition ablehnten. Unterrichtssprache ist Deutsch.

Ger E371/ MEST M490: Höfische Epik auf Französisch und Deutsch

Wir werden einige der grossen epischen Werke von Chrétien de Troyes und Hartmann von Aue sowie das Nibelungenlied. Wie fiktionalisierten Menschen im Mittelalter ihre Lebenswelt? Wir werden auch Handschriften, Wandmalereien, Burgen und andere Wohn- und Lebensräume betrachten, die in der Literatur eine Rolle spielen und als Indikatoren für die soziokulturelle Komplexität zu analysieren sind. Unterrichtssprache ist Englisch.

Herbst 2011

Ger-G 403: Meerjungfrauen und Undinen

Das Logo von Starbucks zeigt eine winzige Meerjungfrau, die denjenigen ähnelt, welche die deutsche Literatur und Kultur, das Innere und Äussere von Privathäusern und Kirchen im Mittelalter schmücken. Das Motiv der Mahrtenehe war insbesondere in der frühneuzeitlichen Literatur populär und diente als Anlass, über soziopolitische Regulative ebenso wie über dämonologische Diskurse in der Theologie und Medizin zu sprechen. Das Seminar wird auf Deutsch unterrichtet.

Ausstellungsprojekt mit den Studierenden in der Lilly Library

MEST M500: Körper im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit

Der menschliche Körper ist ein besonderes Gefäss in der christlichen Weltauffassung, und zwar gerade aus dem Grund, dass er als ein Gefäss konzipiert ist: einerseits aus zerbrechlicher, vergänglicher Materie, andererseits nobilitiert durch den Atem, der es animiert. Weil sich im Körper Gott- und Menschnatur berühren, belegte man ihn mit ebenso viel Lob wie Klage - eine Ambivalenz, welche ihren vehementesten Ausdruck in mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Quellen findet. Das Seminar führt am Leitfaden der Körperdiskurse in verschiedenen Disziplinen in die Mediävistik ein.

Ausstellungsprojekt mit den Studierenden in der Lilly Library 

Frühling 2010

Ger G416 Friedrich Glauser (1896-1938)

Das Seminar bietet die Möglichkeit, den grossen Schweizer Erzähler Friedrich Glauser (er lebte von 1896 bis 1938) kennenzulernen. Er hinterliess ein vielfältiges Gesamtwerk. Glausers Stilideal orientierte sich an Menschen, die nicht täglich mit Büchern lebten. Auch stellt er gerne jene Menschen ins Zentrum, die in ihrem Leben eher am Rande standen: "Dürfen wir vom Schicksal nur dann sprechen, wenn es glattgebügelt aussieht wie eine Hose?" Wir werden gemeinsam Glausers erzählerisches Werk (4 Bände, Limmat-Verlag) lesen und diskutieren sowie einige Verfilmungen seiner Kriminalromane anschauen. Unterrichtssprache ist Deutsch.

Ger E371 Mittelalterliche Romane und die Erfindung des Abenteuers

Höfische Romane aus dem Mittelalter reflektieren frühe Ansätze zur Entwicklung westlicher Konzepte von Risiko und Abenteuer und verbinden sie auch mit Elementen der Persönlichkeitsentwicklung. Die Vorlesung präsentiert nicht allein solche Erzählungen und ihre Helden, sondern erklärt auch die soziohistorische Funktion mittelalterlicher Medien. Unterrichtssprache ist Englisch.

 

Herbst 2009

Ger G825 Gipfel und Täler. Deutschsprachige Mystik für Fortgeschrittene

Dieses Seminar schliesst an die Lehrveranstaltung des letzten Semesters an. Primärtexte und methodische Zugänge werden in Absprache mit den Teilnehmenden bestimmt. Ihre Forschungsinteressen und -ziele sind vorrangig. Zwei Handschriften-Workshops in der Lilly Library sowie der Beizug von Digitalisaten online sind konstitutiv. Deutsch als Forschungs- und Unterrichtssprache.

COLL E103 Abenteuer und Risiko

Die Wälder der mittelalterlichen Romane sind voll von faszinierenden Figuren, die Risiken auf sich nehmen, um "Abenteuer" mit ungewissem Ausgang zu erleben. Die Erzählungen offenbaren die Werte und Motive dieser Figuren und porträtieren sie dementsprechend - bald dunkler, bald heller. Einige von ihnen beginnen erst auf diesem Weg, die Möglichkeiten des menschlichen Daseins zu erkennen. Romane aus dem Mittelalter reflektieren die Entwicklung westlicher Konzepte von Risiko und Abenteuer sehr früh und verbinden sie auch mit Elementen der Persönlichkeitsentwicklung. Die Vorlesung präsentiert nicht allein solche Erzählungen und ihre Helden, sondern erklärt auch die Funktion mittelalterlicher Medien. Storytelling gehört dazu. Unterrichtssprache ist Englisch.

Frühling 2009

Ger G464 Legenden über die Zeiten hinweg

Legenden gehören zum wichtigsten Erzählgut des Mittelalters und waren so populär wie kaum eine andere Textsorte. Der lateinische Begriff 'legenda' legt nahe, dass Legenden performativ verbreitet: Sie wurden vorgelesen, gesungen und sogar getanzt. Auch visuelle Medien spielten eine wichtige Rolle. In diesem Kurs werden wir deutschsprachige Legenden zwischen dem 9. und dem 21. Jahrhundert bearbeiten und Kontinuitäten und Brüche hinsichtlich der Formen und Funktionen von Legenden erarbeiten. Ausgewählte Bilder aus dem Indiana University Art Museum werden uns zusätzliche Anregungen für die kreative Arbeit an neuen Legenden geben. Unterrichtssprache ist Deutsch.

Ger G571 Mystik zwischen 1150 and 1700: Eine bunte Literaturlandschaft

Zwischen 1150 und 1700 sind Hoheliedkommentare, Predigten, Lehrdialoge, Viten und Gedichte entstanden, die eine wesentliche Annahme der Mystik zu erforschen erlauben: Sprache und Erfahrung sind untrennbar miteinander verbunden. Die deutschsprachige Mystik stammt aus unterschiedlichen institutionellen, sozialen und geografische Kontexten: Ihr primärer Ort war während Jahrhunderten das Kloster, ab dem Spätmittelalter zunehmend auch städtische Laien - bald als Individuen, bald als mehr oder weniger geschlossene Gruppierungen. Die sprachliche Gestaltung mystischer Texte ist oft herausragend, kühn und vermag bis heute zu faszinieren.

Herbst 2008

COLL E103 Abenteuer und Risiko

Die Wälder der mittelalterlichen Romane sind voll von faszinierenden Figuren, die Risiken auf sich nehmen, um "Abenteuer" mit ungewissem Ausgang zu erleben. Die Erzählungen offenbaren die Werte und Motive dieser Figuren und porträtieren sie dementsprechend - bald dunkler, bald heller. Einige von ihnen beginnen erst auf diesem Weg, die Möglichkeiten des menschlichen Daseins zu erkennen. Romane aus dem Mittelalter reflektieren die Entwicklung westlicher Konzepte von Risiko und Abenteuer sehr früh und verbinden sie auch mit Elementen der Persönlichkeitsentwicklung. Die Vorlesung präsentiert nicht allein solche Erzählungen und ihre Helden, sondern erklärt auch die Funktion mittelalterlicher Medien. Storytelling gehört dazu. Unterrichtssprache ist Englisch.

Ger G403 Der erste deutsche Roman: Erec

Hartmann von Aue schrieb den ersten deutschen Roman auf der Grundlage des französischen "Erec et Enide" von Chrétien de Troyes. Der Protagonist ist der Ritter Erec, doch spielt auch Enite, Erecs Frau, eine zentrale Rolle. Die sorgfältige Lektüre des Texts wird uns Hartmanns literarische und kulturelle Welt näherbringen. Das Hauptziel des Kurses ist es, die Teilnehmenden in die kulturelle, historische und literarische Welt einzuführen. Auch die Sprachgeschichte soll berücksichtigt werden. Unterrichtssprache ist Deutsch.

Frühling 2008

Ger G571 Nibelungenlied

Das anonyme Nibelungenlied vereint verschiedene mündliche Erzähltraditionen in einem Handlungszusammenhang. Diese Heterogenität führte zu einer langen und ebenso schillernden Wirkungsgeschichte bis ins 20. Jahrhundert. Die moderne Nibelungenlied-Rezeption ist eng mit der Entstehung eines deutschen Nationalstaats verknüpft. Im Seminar werden wir den propagierten Wertekanon kritisch im Blick auf den Text prüfen. Ferner wird uns auch die Präsenz des Nibelungenliedes in der Kunst, im Theater und Musiktheater sowie im Film beschäftigen. Das Seminar wird Siegfried's Vermächtnis in den Blick nehmen. Unterrichtssprache ist Deutsch.

Ger G640 Gregorius by Hartmann von Aue

Diese Einführung in die mittelhochdeutsche Sprache und Literatur fokussiert einen Text aus der höfischen Klassik: Die Erzählung vom "guten Sünder" Gregorius von Hartmann von Aue. Sie werden die linguistischen und literaturwissenschaftlichen Instrumente für das Verständnis und die Interpretation des Texts kennenlernen. Die Teilnehmenden werden Gelegenheit zu intensiven Lese-, Vorlese- und Hörerfahrungen haben. Diese Experimente sind nicht nur für jene, für die Mittelhochdeutsch Neuland ist, sondern sie zeigen in Ansätzen eine performative Kultur.