LMU München, 2000-2001

Vorlesung: Das mittelalterliche Drama

Die Vorlesung gibt einen Überblick über den Textbestand der geistlichen und weltlichen Spiele im deutschen Sprachraum; die Reihe reicht von den Osterspielen über die zur Fastnachtszeit aufgeführten Spiele (Jahreszeitenspiele, Neidhartspiele, Nürnberger Fastnachtspiele) und die politischen Spiele bis zu den Weihnachts- und Weltgerichtsspielen. Zweitens soll Einblick in die historische Aufführungspraxis sowie ein Überblick über moderne Inszenierungen mittelalterlicher Bühnentexte gegeben werden. Drittens sollen forschungsgeschichtliche Schnittstellen zwischen Literaturwissenschaft und Theaterwissenschaft vorgestellt werden.

Hauptseminar: Religiöse Texte von/für Frauen zwischen 1150 und 1250

Ab der Mitte des 12. Jahrhunderts sind erste spirituelle Anleitungs- und Verkündigungstexte überliefert, die Frauen mit monastischer Lebensform in die literarische Kommunikation integrieren. Bislang waren sie weder als Autorinnen noch als Leserinnen eines für sie exklusiv verfaßten Texts fassbar geworden, fortan aber werden sie es bleiben. Unser Textkorpus steckt ein Diskussionsfeld für das Seminar ab, in dessen Zentrum folgende Fragen stehen: Textbegriff und Autorschaft - favorisierte Textsorten und ihr Sozialkontext - Poetik mystischer Texte - Volkssprache und Theologie - Autorität und Geschlecht - Offenbarung und Verheimlichung.

Hauptseminar: Paracelsus und die frühneuzeitliche Medizingeschichte

Im Zentrum des Seminars steht der Schweizer Arzt und Laientheologe Theophrast von Hohenheim, genannt Paracelsus (1493-1541) und zeichentheoretische, politische und religiöse Voraussetzungen seiner Erkenntnislehre. Sein BUCH VON DER ERKANTNUS (hier beschäftigen wir uns uns insbesondere mit der Mikrokosmos-Makrokosmos-Lehre) sowie die beiden gynäkologischen Schriften DE CADUCO MATRICIS (1530) und DE MATRICE (1531), die als eine in höchst polemischem Ton gehaltene Replik auf die zeitgenössische Medizin verstanden werden können, bilden das Textkorpus für das Seminar.

Kolloquium: Königinnen auf der Barockbühne: Gryphius und Lohenstein

Zwei der schlesischen Trauerspiel-Autoren im 17. Jahrhundert haben auf den "Schau-Platz" des Lebens - die Bühne - Königinnen gestellt, welche in ihrer (nicht allein politischen) Integrität von außen bedrängt werden und schliesslich der Übermacht männlicher Herrscher unterliegen. Andreas Gryphius (1616-1664) und Daniel Caspar von Lohenstein (1635-1683). Im Kolloquium lesen und diskutieren wir CATHARINA VON GEORGIEN (Erstdruck 1657) und SOPHONISBE (Uraufführung 1669, Erstdruck 1680).