Die Audio-CD

Für die Ausstellung im Museum Strauhof 2006 begannen wir narrative Zugänge über das Ohr der Ausstellungsbesucher zu entwickeln. So entstanden hörspielartige Collagen, die Rufs Persönlichkeit, sein Wirken als Arzt sowie als Theatermacher einzufangen suchen. Dem Skript lagen Ausschnitte aus Briefwechseln und Dokumenten von Heinrich Bullinger, Ambrosius Blarer, Johannes Haller, Johannes Comander, Konrad Gessner und Johannes Gast zugrunde. Die Titel Jakob Rufs Persönlichkeit, Der Arzt und seine Patienten sowie Der Autor und Regisseur wurden als 'akustische Porträts' konzipiert, denn von Jakob Ruf ist kein visuelles Porträt erhalten.

Während der biographischen Rekonstruktion von Rufs Leben und Werk stiessen wir auf vielfältiges Verwaltungsschrifttum der Städte Zürich, Konstanz, Lindau und Wil aus dem 16. Jahrhundert. Auch in Zürich ist es graphematisch uneinheitlich und in einem syntaktisch oft sperrigen Stil gehalten, der die Lektüre erheblich erschwert. Wir machten eine Erfahrung, die für die Konzeption der Audio-CD wichtig wurde: Wer die Texte nicht nur lesen, sondern sie zusätzlich hören kann, vermag den Inhalt und den Verschriftlichungskontext besser zu verstehen. Das Ohr bietet dem Auge eine Verständnishilfe der Texte. Diese Erkenntnis führte zum Entschluss, die sieben Archivalien, die zu Rufs Leben beigebracht und mit Einleitung im Ersten Band ediert werden konnten, auch als Hörfassung zugänglich zu machen. Die Hörfassungen erheben nicht den Anspruch, den historischen Lautstand zu rekonstruieren und sind in einer an den Zürcher Verhältnissen orientierten Aussprache des Frühneuhochdeutschen alemannischer Prägung eingesprochen; der Wechsel der Sprechstimmen markiert inhaltliche Zäsuren.

Die folgenden Dokumente sind im Originalwortlaut eingesprochen (* = neu aufgefunden durch unsere Forschergruppe): Der Eintrag zu Jakob Ruf im Bürgerbuch (1539) - die *Konstanzer Missive (1526) mit der ersten Erwähnung von Ruf - das *Berichtsprotokoll Root aus dem Kontext des Zweiten Kappelerkrieges (1531) - die Bestallungsurkunde (1552) mit den neu ausgehandelten Anstellungsbedingungen von Rufs Diensten für die Stadt Zürich - der sogenannte *Fürtrag von Jakob Ruf - der Gemächtsbrief des Ehepaars Jakob und Cleophe Ruf (also das Testament von 1555) - der Eintrag in Bullingers Totenbuch.

Besondere Beachtung verdient der Fürtrag (Supplikation vor dem Rat der Stadt Zürich). Er zählt wie die Bestallungsurkunde zu den berufs- und standespolitisch wichtigsten Dokumenten für Rufs ärztliches Wirken und bietet auch Aufschlüsse für das Zürcher Gesundheitssystem um die Mitte des 16. Jahrhunderts. Es handelt sich um den einzigen erhaltenen Text von Jakob Rufs Hand und um das einzige autobiografische Zeugnis von ihm. Seine Entstehung hängt mit Rufs persönlichem Erscheinen vor dem Rat der Stadt Zürich am 28. November 1552 zusammen, als man seine aussergewöhnliche Doppelfunktion als Stadtschnittarzt und interimistischer Stadtarzt neu regelte (siehe hierzu die Bestallungsurkunde). Der konkrete Anlass des Fürtrags ist ein Ratsgeschäft, in dem man Ruf als den ortsansässigen Spezialisten um seine Meinung fragte. Modern gesprochen, legt Ruf hier ein im Auftrag der Stadtregierung verfertigtes Expertengutachten über den Bedarf an wundärztlicher Versorgung in Zürich vor.

Die Audio-CD enthält alle hier genannten Audio-Dateien (sie ist dem Ersten Band beigegeben und nur mit der Gesamtausgabe erhältlich). Sie wurde unter der technischen Leitung von Walter Weber, MELS Multimedia- & E-Learning Services, Universität Zürich, hergestellt. Für Konzeption, Skript und Realisation war Hildegard Elisabeth Keller verantwortlich. Als Sprecher mitgewirkt haben Jaap Achterberg, Andreas Nievergelt und Hildegard Elisabeth Keller.

Hörbeispiel

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