Spring 2013

Zürich 1500-1565

The temporal and geographical focus of this seminar - the first six decades in Zürich -witnessed powerful changes for the city and the entire Swiss confederation. They had a powerful impact on the contemporary production and printing of texts, the landscape of education, and all aspects of culture within the city. What specific situations in which literature was read, taught and written were effected by these changes? What interest groups shaped such situations?
Many citizens of the city (as well as many immigrants) seized the opportunity during these decades to become authors, printers and printmakers. Of these, some found their future in following traditional paths, others took more independent routes, but all took positions vis à vis the religious, political and economic transformations of the time. Female authors have not been record, but women played important roles as readers and students.
We will engage with texts from various genres (including legends, plays, broadsheets, calenders, scientific literature, and scholarly literature from the realms of medicine, zoology and the history of languages), as well as with artefacts (including paintings, sculptures, city views, churches) and the topography of Zürich.

Blockseminar in two parts, held in March and May 2013.

Spring 2012

Spirits of Nature (1200-1700)

Long before the first systematic treatises on natural spirits, the motif of the marriage between a man and non-human women from the sphere of watery creatures - natural spirits, hybrid creatures with tails or fishtails, either anonymous or with names like Melusine, Ondine, Undine - played an important role in all sorts of stories. In the late Middle Ages and early modern period, its popularity can be observed far beyond the German-speaking realm.
The motif enjoyed a revival and was transformed in modern literature, music and painting; some of Böcklin's portrays of water women can be seen in Zürich. The marketing strategies of not only the American, but also the Japanese film industries have lent the motif of the water woman a cute harmlessness from which it can hardly be redeemed. Our focus on the demonological preoccupation with the figure in early modern medicine and natural philosophy attempts to provide a counterweight.

Blockseminar in two parts, held in March and May 2012.

Frühling 2011

Zürcher Legenden

Das Blockseminar konzentriert sich auf das wohl populärste Erzählgut des Mittelalters. Luther und andere Reformatoren gingen so vehement gegen die „Lüge" der Legenden vor, dass man Legenden für eine genuin antimoderne Gattung  halten darf. Legenden stellen Fiktionalität und Faktizität als Grundkategorien literarischer Texte zur Diskussion.

Im Zentrum des Seminars stehen die Gründungslegenden der Stadt Zürich mit ihrer Überlieferungs- und Textgeschichte vom Frühmittelalter bis zur Reformation. Dazu zählen verschiedene Textfassungen der Vita der Stadtheiligen (Martyrium der Heiligen Felix, Regula und Exuperantius) sowie Legenden um die drei Hauptkirchen Fraumünster, Wasserkirche und Grossmünster (Karl der Grosse).

Gleichzeitig sprengt die Gattung wie kaum eine andere die mittelalterliche deutschsprachige Literatur auf. Als Vergleichstexte ziehen wir ausgewählte Legenden aus dem Werk des Zürcher Staatsschreibers Gottfried Keller hinzu. Sie bieten neue Perspektiven auf die Gattung (Erneuerung, Parodie), auf die Zürcher Landschaft und die Rezeption der mittelalterlichen Zürcher Literaturszene im 19. Jahrhundert.

Frühling 2010

Jenseitsberichte im Mittelalter. Was Seelen ausserhalb des Körpers erfahren

Imaginationen über Existenzmöglichkeiten nach dem Sterben gehören zu den Universalien der Kulturgeschichte. Bilder und Texte aus fast allen Kulturen suchen das Geheimnis zu erhellen, und immer auch gab es seherisch veranlagte Menschen, die als Vermittler zum bzw. als Führer durch das sogenannte Jenseits tätig waren. In der christlichen Kultur sind sie besonders zahlreich, weil das Leben nach dem Leben auf Erden eine Aufwertung gegenüber der griechisch-römischen Kultur erfuhr und deshalb besonders erkundenswert gewesen sein muss. Berichte von Menschen, die in einen Scheintod fielen, so dass ihre Seelen den Körper verlassen und das Jenseits bereisen konnten, waren weit über die deutschsprachige Literatur des Mittelalters hinaus verbreitet.

Die christlichen Jenseitsreisen aus dem Mittelalter erfolgen oft in Begleitung eines Engels und führen zu den Stätten des Grauens und der Läuterung sowie der Glückseligkeit. Es sind spektakuläre Orte. Was sich dort vollzieht, entzieht sich der Erfahrung und nährt die Vorstellungskraft umso mehr. Zweifellos waren die Berichte von Jenseitsreisen auch deshalb populär, weil sie die profane curiositas der Menschen, ihre Sensationslust und vielleicht auch ihre Faszination für Gewaltdarstellungen reizten. Das Ausgangsmaterial des Seminars setzt sich aus Texten und Werken der bildenden Kunst des Hoch- und Spätmittelalters, vor allem Buch- und Tafelmalerei, sowie aus Spielfilmen zusammen. Die Lehrveranstaltung wird als Blockseminar in der zweiten Maihälfte 2010 durchgeführt. Die Seminararbeit wird vor dem Beginn des Blockseminars verfasst und stellt eine Grundlage der Seminargespräche dar.

Frühling 2009

Seminar: Stimmen der Mystik zwischen 1150 und 1500

Die sprachliche Gestaltung mystischer Texte ist oft herausragend, kühn und vermag bis heute zu faszinieren.

Zwischen 1150 und 1700 sind Hoheliedkommentare, Predigten, Lehrdialoge, Viten und Gedichte entstanden, die gemeinsam die sogenannte deutschsprachige Mystik verkörpern. Dieses heterogene Textkorpus bietet sich an, um die wesentliche Annahme der Mystik zu erforschen: Sprache und Erfahrung sind untrennbar miteinander verbunden.

Die deutschsprachige Mystik stammt aus unterschiedlichen institutionellen, sozialen und geografische Kontexten: Ihr primärer Ort war während Jahrhunderten das Kloster, ab dem Spätmittelalter zunehmend auch städtische Laien - bald als Individuen, bald als mehr oder weniger geschlossene Gruppierungen. Folgende Perspektiven stehen im Fokus des Blockseminars:

  • Performanz: Orte und Zeiten des Gebrauchs der Texte; Gattungen; ausgewählte Handschriften und ihre Ausstattung
  • Metaphorologie: Welche Bildbereiche favorisieren mystische Texte und wie bildet sich darin ein Erfahrungskonzept ab? Bewegungen wie Aufstieg, Abstieg - existentielle Erfahrungen wie Hunger, Hitze, Schmerz, Sexualität, Geburt und Tod - Abstrakta wie Grund, Wipfel, Fünklein, Wüste und Meer.

Die Lehrveranstaltung wird als Blockseminar in der zweiten Maihälfte 2009 durchgeführt. Die Seminararbeit wird vor dem Beginn des Blockseminars verfasst und stellt eine Grundlage der Seminargespräche dar.

Frühjahr 2008

Seminar: Legenden und ihre Heldinnen und Helden

Legenden gehören zum weltlichen und religiösen Erzählgut des Mittelalters und waren so populär wie kaum eine andere Textsorte. Deutschsprachige Legenden - lat. legenda 'das zu Lesende' - wurden seit dem Frühmittelalter mit Hilfe anderer sprachbezogener sowie visueller Medien verbreitet. Im Blick auf diese Multimedialität ist nach Kontinuitäten und Brüchen hinsichtlich der Formen und Funktionen von Legenden zu fragen.

Im Seminar werden Texte bzw. Bildmedien von den Anfängen der christlichen Legende bis zur Gegenwart behandelt, das Hauptgewicht liegt jedoch auf der Zeit zwischen 1150 und 1550.

Die Lehrveranstaltung wird als zweiteiliges Blockseminar im Mai 2008 durchgeführt. Die Seminararbeit wird vor dem Beginn des Blockseminars verfasst und stellt eine Grundlage der Seminargespräche dar.

Herbst 2007

Vorlesung: Melusine und ihre Geschwister

Melusine ist im späten Mittelalter ein in vielerlei Hinsicht herausragendes Mitglied eines adligen Familienverbandes und als Protagonistin in lateinischen und volkssprachlichen Erzähltraditionen (französisch, deutsch, spanisch, italienisch, englisch). Ihr Fall und ihr Status zwischen Fiktion und Fakt scheint den Zeitgenossen geeignet, um juristische, naturphilosophische und medizinische Fragestellungen zu disputieren.

Die Vorlesung präsentiert die deutschsprachige Melusine-Tradition und diskutiert einige weisse Flecken der Forschungsgeschichte. Die Vorlesung steht allen Interessierten offen.

Sommer 2007

Vorlesung: Körpergeschichten der Seele

Von Kopf bis Fuss, vom kleinen Finger bis hinunter zu den Füssen eröffnet sich ein Erzählraum. Die Vorlesung zeigt anhand eines Korpus früh- bis spätmittelalterlicher Texte, wie das Sichtbare und das Unsichtbare, der homo exterior und der homo interior, in ihrer Interdependenz literarische Gestalt annehmen. Frühmittelalterliche Genesisdichtungen, hochmittelalterliche Hoheliedexegese und höfische Romane sowie spätmittelalterliche Mären führen historische Wissenswelten und gattungsspezifische Anthropologien vor Augen. Die Vorlesung steht allen Interessierten offen.

Kolloquium für Lizentierende und Doktorierende

Hier bietet sich den Teilnehmenden die Möglichkeit, ihre Lizentiats- und Doktorarbeiten zu präsentieren, ihre Probleme heuristischer, methodischer oder sprachlicher Art zu diskutieren und in einen inspirierenden Austausch mit ihresgleichen zu treten. - Nach Vereinbarung.

Winter 2006/2007

Vorlesung: Heinrich Seuse

Wenn der Dominikaner Heinrich Seuse (1295/7-1366) in der Vita seine Lebens- und Gotteslehre entfaltet, präsentiert er sich als ein begnadeter Erzähler und literarisch produktiver Exzentriker. Für die Entwicklung der deutschen Literatur des Spätmittelalters nicht minder wichtig ist er als Brief- und Predigtautor im Kontext der von ihm betreuten Frauengemeinschaften im alemannischen Raum.

Die Vorlesung (mit Exkursion) führt in Leben und Werk, in die Gattungs- und Überlieferungsgeschichte sowie in die reich illustrierten Bilderhandschriften mit Seuses Exemplar ein. Die Vorlesung steht allen Interessierten offen.

Kolloquium für Lizentierende und Doktorierende

Hier bietet sich den Teilnehmenden die Möglichkeit, ihre Lizentiats- und Doktorarbeiten zu präsentieren, ihre Probleme heuristischer, methodischer oder sprachlicher Art zu diskutieren und in einen inspirierenden Austausch mit ihresgleichen zu treten. - Nach Vereinbarung.

Sommer 2006

Vorlesung: Natur und Literatur im Mittelalter

Welche Impulse zur Selbstthematisierung erhält die Literatur, wenn sie über Stock und Stein spaziert? Die Vorlesung führt in literaturtheoretische Fragestellungen ein, welche die mediävistische Beschäftigung mit Texten befruchten können. Es werden mittelalterliche Dichtungstheorien vorgestellt und anhand ausgewählter Texte aus verschiedenen Gattungen diskutiert. Die Perspektive der Ausführungen orientiert sich an den Referenzen zur physikalischen Welt. Die Vorlesung steht allen Interessierten offen.

Kolloquium für Lizentierende und Doktorierende

Hier bietet sich den Teilnehmenden die Möglichkeit, ihre Lizentiats- und Doktorarbeiten zu präsentieren, ihre Probleme heuristischer, methodischer oder sprachlicher Art zu diskutieren und in einen inspirierenden Austausch mit ihresgleichen zu treten. - Nach Vereinbarung.

Wintersemester 2005/2006

Seminar: Jakob Ruf in Zürich - ein Ausstellungsprojekt

Gemeinsam mit Andrea Kauer

Das Leben des Jakob Ruf - Chirurg, Zürcher Stadtschnittarzt, Hebammensupervisor und Theatermacher - fällt in die äusserst bewegte erste Hälfte des 16. Jahrhunderts in Zürich. Ruf ist somit Zeitgenosse von Heinrich Bullinger und Konrad Gessner und Berufskollege des Paracelsus. Sein theatralisches und medizinisches Werk bietet vielfältige medien- und kulturhistorische Herausforderungen. Wer sich hier engagieren möchte, lernt einen faszinierenden Ausschnitt der frühneuzeitlichen Gebrauchsliteratur sowie der Zürcher Stadt-, Literatur-, Medizin- und Kommunikationsgeschichte kennen.

Das Seminar bietet den Teilnehmenden die ebenso herausfordernde Gelegenheit, an der Konzeption und Realisation einer auf dieses Werk konzentrierten Ausstellung im «Strauhof Zürich» aktiv teilzuhaben. Zudem erhalten sie Einblick in das an der Universität Zürich durchgeführte Forschungsprojekt Jakob Rufs Theater- und Heilkunst und kommen mit Gästen aus Kulturinstitutionen ins Gespräch.

Empfohlen ist auch der Besuch des Arbeitskreises zum Seminar (Leitung: Andrea Kauer)

Kolloquium für Lizentierende und Doktorierende

Hier bietet sich den Teilnehmenden die Möglichkeit, ihre Lizentiats- und Doktorarbeiten zu präsentieren, ihre Probleme heuristischer, methodischer oder sprachlicher Art zu diskutieren und in einen inspirierenden Austausch mit ihresgleichen zu treten. - Nach Vereinbarung.

Sommersemester 2005

Seminar: gelâzenheit. Mystik im alemannischen Raum

Gemeinsam mit Freia Odermatt

Wie kann man Meister Eckharts Lob der gelâzenheit in eine moderne Ausdrucksweise übersetzen? Man findet verhaltenspsychologische Analogien (gelâzenheit als Coolness) sowie Deutungen im Zeichen der "emotionalen Intelligenz" (gelâzenheit als 'Technik der Selbstberuhigung', des Selbstmanagements). Eckharts Verständnis von gelâzenheit zielt auf das radikalste Denken von Schöpfung und Geschöpf. Ein anspruchsvolles Programm - nicht nur für die mittelalterlichen Dominikanerinnenklöster, in denen Meister Eckhart und sein Schüler Johannes Tauler predigten.

Wir wollen es gemeinsam kennen lernen:

  • textnah (Lektüre von Predigten des Meister Eckhart und Johannes Tauler; Überlieferungsgeschichte
  • mit poetologischem Interesse an der gelâzenheit (Lektüre ausgewählter Texte von Mechthild von Magdeburg und Hildegard von Bingen; Autorschafts- und Werkbegriff)
  • aus literatur- und religionssoziologischer Perspektive (Exkursion: Besuch der Doppelausstellung Krone und Schleier - Kunst aus mittelalterlichen Frauenklöstern in Bonn und Essen)

Kolloquium für Lizentierende und Doktorierende

Hier bietet sich den Teilnehmenden die Möglichkeit, ihre Lizentiats- und Doktorarbeiten zu präsentieren, ihre Probleme heuristischer, methodischer oder sprachlicher Art zu diskutieren und in einen inspirierenden Austausch mit ihresgleichen zu treten. - Nach Vereinbarung.

Wintersemester 2004/2005

Vorlesung: Theater in der Eidgenossenschaft des 16. Jh.s

Nach einer kurzen Einführung in die Geschichte des religiösen und weltlichen Spiels im Spätmittelalter soll die im 16. Jahrhundert äusserst lebendige Theaterlandschaft in der alten Eidgenossenschaft präsentiert werden. Anhand von Fallstudien zu den geographischen Zentren möchte ich aufzeigen, wie öffentliche Aufführungen in den Städten, aber auch die entsprechenden Bild- und Text-Medien (handschriftlich oder gedruckt vorgelegte Dramentexte mit ihren Illustrationen) als Medien zur aussen- und innenpolitischen Reflexion, zur reformationspolitischen Auseinandersetzung und zur religiösen Didaxe genutzt werden. Ein besonderer Akzent soll auf die Theaterpraxis der reformierten Stadt Zürich gelegt werden. Die Vorlesung steht allen Interessierten offen.

Seminar: Text und Bild. Buchmalerei und Druckgraphik in Schweizer Bibliotheken

Mit Jeffrey F. Hamburger, Dept. of History of Art & Architecture, Harvard University

An der bildenden Kunst des 16. Jahrhunderts brechen sich die religions-, medien- und wissenschaftsgeschichtlichen Entwicklungen einer überaus ereignisreichen Zeit. Das gemalte und gedruckte Bild bringt eine neue Sicht auf Mensch und Welt aufs Papier und unter die Leute, ist Gegenstand sowohl der Verehrung als auch der heftigsten Ablehnung, und es wird eingesetzt als Waffe oder didaktisches Mittel. Das Seminar wird vor allem die Buchmalerei und die Druckgraphik ins Auge fassen und sich auf die Wechselwirkungen der medien- und religionsgeschichtlichen Umbrüche konzentrieren.

Ein erster Teil ist den zeitgenössischen Visualisierungstechniken und Bildmedien sowie dem bildtheoretischen Pro und Contra auf reformatorischer und gegenreformatorischer Seite gewidmet. Ein praktischer Teil führt in Bibliotheken und Kupferstichkabinette, wo an konkretem Anschauungsmaterial untersucht werden soll, inwiefern die neuen technischen und wissenschaftlichen Errungenschaften die Visualisierungsmodi sowie die Sehgewohnheiten reformiert haben.

Kolloquium für Lizentierende und Doktorierende

Hier bietet sich den Teilnehmenden die Möglichkeit, ihre Lizentiats- und Doktorarbeiten zu präsentieren, ihre Probleme heuristischer, methodischer oder sprachlicher Art zu diskutieren und in einen inspirierenden Austausch mit ihresgleichen zu treten. - Nach Vereinbarung.

Werkstatt: SpielTextSpiel. Sprech- und Auftrittskompetenz

Wer seine Auftrittspräsenz entwickelt, arbeitet am eigenen Körper, an der Atmung, der Haltung und der Stimme. Geeignete Übungen werden die Lust am Rezitieren, am Auftreten usw. fördern. Diese Arbeit wird um den Aspekt der Textgestaltung ergänzt, der sich auf mittelhochdeutsche Texte aus der höfischen Epik beziehen wird. Ausgehend von Hartmanns von Aue Erec werden wir eine Hörfassung herstellen und somit auf ein konkretes Ziel hin arbeiten: eine âventiure auf CD-ROM.

Sommersemester 2004

Vorlesung: Hartmann von Aue

An Hartmann von Aue kommt Literaturfreund vorbei. Man darf annehmen, dass der literarisch kompetente Ritter das erzählerische Verlebendigen vergangener Zeiten sehr schätzte und bei den buochen wohl nicht seine armseligsten Stunden verlebte. Auch wenn Hartmanns Hauptaktivität nach eigenen Aussagen nicht im tihten lag, so hinterliess er doch ein umfangreiches Gesamtwerk aus höfischen Epen, Lyrik, dialogischer und legendenhafter Dichtung.

Hörerinnen und Hörer, die Hartmanns Texte parallel zur Vorlesung mitlesen, erarbeiten sich hier ein kanonisches Werk und lernen den für die hochmittelalterliche Literatur bedeutsamsten Kulturtransfer( zwischen französischer und mittelhochdeutscher Literatur und zwischen geistlicher und weltlicher Denkwelt) kennen. Die Vorlesung steht allen Interessierten offen.

Seminar: Lob der Torheit

Möchten Sie mit Erasmus von Rotterdam auf seinem "Steckenpferd der Schreibfeder" reiten? Segeln Sie vielleicht bereits mit in Sebastian Brandts Schiff nach Narragonien? Anhand von grossen Texten der frühneuzeitlichen Narrenliteratur versuchen wir eine Typologie der Torheit zu entwickeln: erstens interessiert der Tor als Figur der Intellektualität, der Negation und der Negativität, zweitens als Figur des masslosen Bejahens, des Überbordens und des unverschämten Körpers und drittens als Überlagerung von beidem. Diese Koinzidenzen werden uns in nicht allein theoretischer Hinsicht beschäftigen. Die praxisbezogene Arbeit an den Texten ist den Narren und Närrinnen auf der Bühne und in Theatertexten gewidmet.

Im Rahmen des Seminars haben wir am 19. und 20. Juni 2004 unter dem Titel "Ahoi! Eine närrische Soirée" einen öffentlichen Anlass auf dem Greifensee durchgeführt.

Fotos und Scanassistenz: Freia Odermatt, Martina Gut u.a.
Schwarz-Weiss-Fotos: Cristina Zilioli
Generalproben-Fotos: Stefan Schöbi
Gestaltung des Flyers: Sarah Fehr

Werkstatt: SpielTextSpiel. Sprech- und Auftrittskompetenz

Mit Stefan Camenzind

Wer seine Auftrittspräsenz entwickelt, arbeitet am eigenen Körper, an der Atmung, der Haltung und der Stimme. Geeignete Übungen werden die Lust am Rezitieren, am Auftreten usw. fördern. Diese Arbeit wird um den Aspekt der Textgestaltung ergänzt, der sich auf mittelhochdeutsche Texte aus der höfischen Epik beziehen wird. Die gemeinsame Arbeit wird sich sowohl an der persönlichen und zukünftigen Praxis der Studierenden als auch am gemeinsamen Arbeitsziel orientieren.

Wintersemester 2003/2004

Vorlesung: Literaturbetrieb im Mittelalter

Schreibende Hände sind uns aus mittelalterlichen Darstellungen vertraut: die schreibende Hand eines über das Pergament gebeugten Mönchs - die aus einem Samtärmel hervorlugende Frauenhand, die in einem Buch blättert - die Gotteshand, die aus einem Wolkenkörper ein Spruchband auf die Erde entrollt.

Solche Hände gehören zum "grand récit" der mittelalterlichen Literaturszene. Die Überblicksvorlesung widmet sich Fragen wie den folgenden: In wessen Hand lag die Produktion von Texten (zum einen das Verfassen, Kompilieren, und andere Differenzierungen der Textproduktion - zum anderen die Herstellung von Beschreibstoffen, das Schreiben, Rubrizieren, Illuminieren)? In wessen Hände gelangten die Codices, Inkunabeln und Frühdrucke? Inwiefern lässt sich im Früh-, Hoch-, Spätmittelalter von einem Literaturbetrieb sprechen?

Präsentiert werden Personenkonstellationen, Schreibwerkstätten, (Vor-)Lesesituationen, Inspirationsquellen, Buchmärkte - ideelle und materielle Interessenslagen der Literaturproduktion und -rezeption. Die Vorlesung steht allen Interessierten offen.

Seminar: Text und Bild. Buchmalerei in Schweizer Bibliotheken

Gemeinsam mit Jeffrey F. Hamburger, Dept. of History of Art & Architecture, Harvard University

Wer vor einem aufgeschlagenen mittelalterlichen Codex sitzt, sieht das Resultat eines artistisch anspruchsvollen Team-Projekts (Dichter, Schreiber, Illuminator, Rubrikator, Kommentator). Die Pergament- oder Papier-Seite weist entzifferbare Spuren auf, denn sie stellt ein System von Repräsentationsmodi dar. Vier Blockseminar-Tage lang können die Teilnehmenden das Auge dafür schärfen.

Es handelt sich um ein germanistisch-kunstwissenschaftliches Blockseminar, das vom 19.-22. November 2003 im Deutschen Seminar (und in den beiden Tages-Arbeitsorten St.Gallen und Einsiedeln) und am 26. Januar 2004 in Engelberg in Kooperation mit einem der international renommiertesten Kenner der mittelalterlichen Buchmalerei stattfinden wird. Unser Ziel ist es, die Teilnehmenden an die in unserer Umgebung liegenden Schätze und die Arbeitsmethoden einzuführen. Wir werden an Faksimiles und Handschriften in den Klosterbibliotheken von St.Gallen, Einsiedeln und Engelberg Text-Bild-Beziehungen kennenlernen und diskutieren.

Öffentlicher Abendvortrag von Prof. Hamburger:

Körper versus Buch. Der Tropus der Sichtbarkeit in den Verbildlichungen jüdisch-christlicher Polemik.

Zeit und Ort: Donnerstag, 20. November 2003, 18.15 Uhr, KO2_F_152

Sommersemester 2003

Vorlesung: «saget mir waz minne is». Antworten aus mediävistischer Perspektive

Über Liebe bzw. minne wird im Mittelalter ebenso viel geschwiegen wie gesprochen. Die höfische Erzählliteratur stellt Fragen, die in den Kern der zwischenmenschlichen Liebe vordringen, wie sie sich aus der Sicht des adligen Publikums darstellte. Sie zeigt aber auch spielerische Strategien, welche die Romanautoren gerade am Gegenstand der Liebe entwickeln.

Die Vorlesung wird aus diesem Neben- und sogar Ineinander von Negativität (das Nichtsagbare, das Unsägliche, das Ausgesparte) und Positivität (das Beobacht- und Beschreibbare, das Äusserbare) ein Profil des Phänomens entwickeln. Als materielle Basis dienen zum einen fiktionale und pragmatische Texte der europäischen Literatur des Mittelalters (miteingeschlossen sind entsprechende Illuminationen und Realien) - zum andern historische Meta-Texte mit systematischem Zugriff und komplementäre moderne Theoriekonzepte.

Kolloquium: Minne. Forschungskolloquium zur Vorlesung

Gemeinsam mit Freia Odermatt

Hier werden Texte zur Vorlesung vertieft behandelt und Fragestellungen der Vorlesung kritisch hinterfragt. Besonders willkommen sind Studierende, welche die Vorlesung besuchen und sich in gemeinschaftlicher Textarbeit engagieren möchten.

Wintersemester 2002/2003

Seminar: Faszinosum Volkssprache in althochdeutscher Zeit

An den frühesten Rändern der deutschen Literaturgeschichte lässt sich Faszinierendes beobachten: Anfänge einer historischen Epoche, einer gesprochenen Sprache und ihrer Verschriftlichung, der Verwendung der Sprache als Medium des Heilens, Lehrens, Betens, Lobens, Erzählens. Das Seminar widmet sich einer Auswahl von althochdeutschen Texten. Beobachtbar wird daran auch, wie sich ein religiöses System und damit auch ein politisch-kultureller Raum - Europa - zu etablieren beginnt.

Die Zeit zwischen 750 und 1000 ist eine solche, hochspannende Randzone. Aus ihr ist eine ganze Reihe von althochdeutschen TEXTSPLITTERN auf uns gekommen - ein Ausdruck, der nur für die beiden integral überlieferten Werke (Heliand, Evangelienbuch Otfrids von Weissenburg) nicht gilt. Mit Blick auf diese erste deutschsprachige Textüberlieferung konkretisiert sich die Frage: Worin wurzelt das Schreiben in althochdeutscher Sprache? Im Seminar finden wir je neu fallbezogene Antworten auf diese Frage, indem wir an Texten aus der Seelsorge, der Schulung, der Heldendichtung und der Sprachmagie ansetzen.

Übung zum Seminar

Ich biete den Interessierten eine Stunde zur intensiven, gemeinsamen Arbeit an, in der wir sprachliche Probleme lösen, interdisziplinäre Aspekte vertiefen und methodische Fragestellungen behandeln können.

Die Übung ist für Seminarteilnehmende nicht obligatorisch.

Sommersemester 2002

Vorlesung: Emblematik

Die Vorlesung befasst sich mit der Barockemblematik - einer literarischen, von der Literatur dann auch in andere Kunstsparten ausstrahlenden Ausdruckskunst, die Bild und Text kombiniert. Nach einer Einführung in ihr Strukturprinzip und ihre Funktionalisierungen in der Literatur werden Zeugnisse der sog. Angewandten Emblematik ins Blickfeld rücken. Es handelt sich um Bildprogramme repräsentativer Architektur, die noch heute in der deutschen Schweiz im Original zu besichtigen sind. Exkursionen an die Schauplätze sind vorgesehen.

Seminar: Eike von Repgow: Der Sachsenspiegel

Mit Clausdieter Schott und Michele Luminati, Rechtswissenschaftliches Institut der Universität Zürich.

Der Autor des berühmtesten mittelalterlichen Rechtsbuches in der Volkssprache formuliert die Intention seines Sachsenspiegels mit dem folgenden Vergleich: Wie durch einen Spiegel den Frauen ihr Antlitz, das sie erblicken, bekannt wird, so mache sein Text die Sachsen mit ihrem Recht vertraut. Was sich hinter dem scheinbar schlichten Spiegelungsanspruch verbirgt, kann in diesem interdisziplinären Seminar aus rechtshistorischer und literaturwissenschaftlicher Sicht untersucht werden.

Mögliche Arbeitsfelder:

  • mittelalterliches Rechtsverständnis (Ritualcharakter; Begriffsgeschichte 'Recht', 'Gerechtigkeit' und 'Gesetz')
  • der Autor des Rechtsbuches und der auctor des Rechts
  • der Titel als Programm; die Vorrede und der Prolog als Textsorte im Rechtsbuch
  • Korrelation zwischen Deskription (beschreibt der Sachsenspiegel konkrete Rechtswirklichkeit?) und Normativität (propagiert er Rechtsgrundsätze?)
  • Körpermodelle im Rechtstext
  • Gebärden als Rechtshandlungen und ihre Repräsentation in Wort und Bild (Vergleich der Bilderhandschriften)
    Recht und Geschlecht
  • Formen und Funktionen der Visualisierung von Rechtstexten sowie ihrer Lektüreprozesse
  • Verschriftlichungsprozesse mündlicher Rechtstraditionen
  • rechtshistorische Reflexe in der fiktionalen Literatur (Zweikampf als Gerichtsverfahren in der höfischen Epik)

Wintersemester 2001/2002

Seminar: Dietrichepik

Dietrich von Bern (eigentlich: von Verona) galt noch bis in die frühe Neuzeit hinein als der bekannteste Held aus der germanisch-deutschen Sagenwelt. Dieser Protagonist sehr populärer Erzählstoffe lässt die Erinnerung an den Ostgotenkönig Theoderich fortleben, und zwar in drei selbständigen Teilüberlieferungen. Eine davon, die aventiurehafte Dietrichepik aus dem 13. Jahrhundert, steht in Auswahl im Zentrum des Seminars. Dietrichs abenteuerliche Kämpfe gegen meist übernatürliche Gegner - Drachen, Riesen und Zwerge - erlauben verschiedene methodische Zugriffe. Erzählen in einer semioralen Gesellschaft; ästhetische Interaktionsmuster heldenepischer Texte, Gattungshybride, ritualtheoretische und kulturanthropologische Aspekte des Helden, interkulturelle Erzählschemata des Kampfes, die Ikonographie und ein Blick in die aussereuropäische Heldenepik - so lässt sich das Experimentierfeld für die Seminar-TeilnehmerInnen eingrenzen.